Erfahrung, Intuition und Bauchgefühl sind oft – aber nicht immer und ausschließlich – stabile Säulen guter Führung. Mit dem zunehmenden Einsatz von Data Analytics & Business Intelligence (BI) in vielen Unternehmen verändern sich diese Säulen in Richtung datenbasierte Führung, ob gewollt oder nicht.
Plötzlich gibt es Zahlen, wo früher Vermutungen waren, und Produktivität, Engpässe und Fehler können sichtbarer werden. Genau diese „neue“ Transparenz stellt Führungskräfte vor Herausforderungen, aber auch Chancen.
Entscheidungen werden einfacher – und erklärbarer
Der wohl größte Vorteil datenbasierter Führung liegt auf der Hand: Entscheidungen lassen sich besser begründen. Und das macht vieles einfacher: Prioritäten werden klarer, Diskussionen sachlicher und Entscheidungen nachvollziehbarer.
Wenn klar ist, worauf sich Entscheidungen stützen, entsteht weniger Frust und mehr Akzeptanz, und das ist in jedem Team ein echter Gewinn. Hier schafft Transparenz Orientierung.
Wenn Produktivität sichtbar wird
Ein eher sensibles Thema ist die Transparenz von Produktivität. Dashboards können sehr deutlich sichtbar machen, wie Teams arbeiten – manchmal sogar auf Ebene einzelner Personen.
Worüber früher nur getuschelt und gemutmaßt wurde, liegt jetzt offen. In den meisten Fällen lösen Daten erst einmal keine Probleme, sondern werfen Fragen auf:
„Warum ist die Produktivität hier niedriger?“
„Wieso dauert ein Prozess länger als geplant?“
„Warum häufen sich bestimmte Fehler?“
Und genau hier zeigt sich gute Führung durch Neugier. Eine gute Führungskraft nutzt die Daten als Gesprächseinladung und nicht als Bewertungskriterium. Statt vorschnell Schlüsse zu ziehen, solltest du gezielt nachfragen. „Woran liegt es? – Unklare Prioritäten, fehlende Kommunikation, Engpässe bei Ressourcen oder Tools?“
Durch einen solchen Gesprächsansatz können im Team gemeinsam Lösungen entwickelt werden. So bleibt die Motivation erhalten, Verantwortung wird geteilt und aus Daten und Zahlen werden echte Verbesserungen.

Fehler sichtbar machen – ohne Schuldige zu suchen
Eine solche Art von Transparenz bedeutet auch: Fehler werden sichtbarer. Gute Daten zeigen früh, wo Prozesse haken oder Entscheidungen nicht optimal getroffen wurden. Vor allem, wenn im Unternehmen keine etablierte, offene Fehlerkultur gelebt wird, kann das unangenehm sein.
Auch hier ist der entscheidende Punkt, wie damit umgegangen wird, besonders als Führungskraft. Es entsteht Angst und Scham, wenn Fehler als persönliches Versagen interpretiert und kommuniziert werden. Sie sollten als Lernchance gesehen werden und damit Entwicklung möglich machen.
Aus meiner Erfahrung agierst du als Führungskraft hier besonders als Vorbild. Wenn allen klar ist, dass Daten dazu dienen, gemeinsam besser zu werden und nicht dazu dienen, jemanden bloßzustellen, dann verändert sich die Haltung im Team. Fehler werden von sich aus offengelegt, analysiert und nicht mehr versteckt. Genau das ist wichtig, denn dort liegt die Grundlage für kontinuierliche Verbesserung.
Wenn auch Führungsfehler sichtbar werden
Worüber ebenfalls nicht gerne gesprochen wird: datenbasierte Führung macht nicht nur Fehler im Team sichtbar, sondern auch Fehler und Fehlentscheidungen von Führungskräften.
Strategische Prioritäten, Ressourcenentscheidungen oder unrealistische Ziele – all das lässt sich mit Daten im Nachhinein bewerten.
Und das ist vielleicht die größte Veränderung, denn eine vermeintliche Unangreifbarkeit der Führungskräfte kann durch Daten genommen werden. Dabei liegt hier auch eine große Chance.
In meiner Laufbahn hat sich mehr als einmal gezeigt, wenn ich offen mit meinen Fehlern umgehe dann schaffe ich Glaubwürdigkeit. Wenn eine Führungskraft mit Hilfe von Data Analytics & BI kommunizieren kann: „Die Daten zeigen, dass diese Entscheidung nicht richtig war – und wir lernen daraus“, dann wird signalisiert, dass Lernen für alle gilt, nicht nur fürs Team.
Klar, das erfordert Mut, die wenigsten von uns können offen mit Fehlern umgehen – aber es lohnt sich! Mitarbeitende und Teams übernehmen eher Verantwortung, wenn sie sehen, dass auch Führungskräfte bereit sind, sich zu hinterfragen. Und so kann Transparenz zu einem gemeinsamen Lernprozess werden.
Transparenz braucht Regeln und Grenzen
Es ist mir wichtig zu betonen, dass Transparenz nicht heißen muss, dass alles für alle sichtbar ist. Nicht jede Kennzahl gehört auf ein Dashboard. Es geht darum, dass relevante Informationen so geteilt werden, dass Teams handlungsfähig sind und zwar ohne zu überfordern oder unnötigen Druck zu erzeugen.
Berechtige Fragen aller Beteiligten lauten daher häufig:
„Wie öffentlich soll das Ganze sein?“
„Sind die Daten nur im Team sichtbar oder auch teamübergreifend?“
„Werden individuelle Zahlen gezeigt oder aggregierte Werte?“
„Welche Kennzahlen helfen wirklich – und welche sorgen eher für Missverständnisse?“
Diese Fragen solltest du als Führungskraft niemals alleine beantworten. Transparenz sollte immer gemeinsam entwickelt werden. Der vielleicht wichtigste Erfolgsfaktor für Data Analytics & BI im Allgemeinen aber vor allem auch in Bezug auf Transparenz ist die Beteiligung aller relevanten Personen. Wie so oft, gilt auch hier: Wird Transparenz „von oben“ verordnet, stößt sie schnell auf Widerstand und es entsteht keine Akzeptanz,
Das gesamte Team sollte an der Gestaltung mitarbeiten und verbindliche Regeln gemeinsam beschlossen werden. So wird datenbasierte Führung nicht als Überwachung wahrgenommen, sondern als Werkzeug für eine bessere Zusammenarbeit.
Und dann geht es am Ende auch nicht darum, alles perfekt zu machen, sondern darum, gemeinsam besser zu werden – mit Hilfe von Data Analytics & BI.
